Rote Rathaus in Berlin

Das Rote Rathaus in Berlin © berlin2020 - Fotolia.com

Das Rote Rathaus befindet sich im Ortsteil Mitte in Alt-Berlin. In ihm befinden sich sowohl der Berliner Senat als auch der Regierende Bürgermeister von Berlin. Seinen Namen verdankt das Rote Rathaus seiner auffallenden, roten Klinkerfassade. Vorbild stand hierfür die norditalienische Hochrenaissance.

Bau nach Vorbildern
Mitte des 19. Jahrhunderts reichte den Berlinern ihr Rathaus am Molkenmarkt nicht mehr. Die Gebäude aus dem Mittelalter genügten nicht mehr und so kam der Ruf nach einem neuen Rathaus auf. Der deutsche Architekt Hermann Friedrich Waesemann stellte das Rote Rathaus nach acht Jahren Bauzeit 1869 fertig. Als Vorbild hatte sich der Architekt das Rathaus der westpreußischen Stadt Thorn genommen. Um das massive Gebäude mit 99 Metern Länge und 88 Meter Breite realisieren zu können, wurden mehrere Gebäude aus dem Mittelalter abgerissen. Blickfang ist der 74 Meter hohe Turm nach dem Vorbild der französischen Kathedrale der Stadt Laon. An dem umlaufenden Balkon des ersten Stockwerkes befinden sich insgesamt 36 kunstfertige Terrakottatafeln. Anhand dieser kann die Geschichte Berlins und Brandenburgs vom 12. bis zum 19. Jahrhundert nachempfunden werden. Verantwortlich für diese bauplastische Gestaltung, die zwischen 1876 und 1879 entstanden, waren Ludwig Brodwolf, Alexander Calandrelli, Otto Geyer und Rudolf Schweinitz.

Die verschiedenen Säale
Im Innenraum befinden sich der Wappensaal, der Säulensaal und auch der Große Saal. Der Wappensaal dient vor allen Dingen Empfängen und auch den Eintragungen ins Goldene Buch der Stadt Berlin. In ihm hängen die Wappen der verschiedenen Berliner Stadtbezirke. Der Säulensaal war ursprünglich die Magistratsbibliothek und beherbergt aufgrund seiner schönen Gestaltung hauptsächlich Ausstellungen. Auch wenn heute im Großen Saal Empfänge, Lesungen und Konzerte stattfinden, so ist er doch vielen noch bekannt als Ort der Berliner Konferenz von 1878, bei der Friede zwischen Russland und der Türkei geschlossen wurde. An diese erinnert auch das prominente Gemälde „Der Berliner Kongress von 1878“ vom Künstler Anton Werner.

Wiederaufbau
Der Zweite Weltkrieg ging auch am Roten Rathaus nicht spurlos vorbei. Erst ab 1951 wurde es wieder aufgebaut und bis 1956 renoviert. Während der deutschen Teilung diente das Rote Rathaus dem Ost-Berliner Magistrat, der Stadtverordnetenversammlung und außerdem dem Oberbürgermeister von Ost-Berlin als Sitz. Ab 1991 zog der Berliner Senat wieder offiziell zurück in das Rote Rathaus. Vor ihm erinnern die Figuren „Trümmerfrau“ und „Aufbauhelfer von Fritz Kremer seit den späten 50er Jahren an den Wiederaufbau. Außerdem befindet sich hier auch der imponierende Neptunbrunnen, der vor allem mit seiner Nachtbeleuchtung ein beliebtes Motiv von Touristen ist.